Le Denhoff –
 
 
Für eine Mätresse
 
 
zu klug
 
 
 
 
 

 

 

     
 
  „Die Gräfin Dönhoff fesselte durch jenes Zusammenspiel von Reizen,
 
 
Liebenswürdigkeit, Capricen und Launen,
 
 
welche die Leidenschaften noch mehr entflammen…
 
 
Sie meinte aber, es stehe ihr zu, gleich einer Herrscherin mitzureden.
 
 
Das aber liebte der König nicht.
 
 
Trotz seiner Artigkeit gegen die Frauen fühlte er sich doch als Herrscher.
 
 
Seiner Würde vergab er nichts. Die Dönhoff spielte die Souveränin.
 
 

Der König dagegen hasste es, mit Damen über Politik zu diskutieren.“

 
 
 Anne Henri Vicomte de Dampmartin 1811
 
     
 
 
 
     
     
 

Gräfin Dönhoff

 
 

Eine Episode aus der Geschichte Beerbaums

 
     
 

Im Jahre 1805 erwarb Julie Gräfin von Dönhoff für 106.000 Taler das Rittergut Beerbaum, einschließlich der Rebengüter Gratze und Tempelfelde. Im Gedächtnis der dortigen Gegend lebt die Gräfin, die fast drei Jahrzehnte das Gut selbst bewirtschaftet hat, als eine überaus kluge und energische Frau, die in der Sorge für ihre Besitz zwar klar und fest überall auftrat, in anderer Hinsicht aber ihren Gutsleuten sehr zugetan war, so dass diese ihr große Anhänglichkeit bewahrten.

 

Wer war diese Gräfin? Sophie Friedericke Wilhelmine Julie Gräfin von Dönhoff aus dem Hause Bennuhnen in Ostpreußen, kam am 04. April 1789 als Hofdame an den Berliner Hof. Friedrich Wilhelm II warb sie am 11.April 1790 zur linken Hand angetraut. Julie Dönhoff gebar dem König am 24. Januar 1792 einen Sohn – den späteren Ministerpräsidenten der Konfliktszeit, Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg (gest. 06. November 1850).

 

Nachdem die Gräfin in eine politische Affäre verwickelt worden war, musste sie den Hof und das Land verlassen. Mit einer Jahrespension von 8.000 Talern ging sie zunächst nach Neuchatel. Hier gab sie am 04. Januar 1793 ihrer Tochter Julie das Leben, die sich später mit dem Herzog Friedrich Ferdinand von Anhalt-Coethen vermählte und im Jahre 1848 gestorben ist.

 

Nach Zeugnissen der Zeit war die Gräfin von strahlender Schönheit, sie sang vortrefflich und spielte vorzüglich Klavier. „Die Gräfin Dönhoff – so berichtet Dampmartin – fesselte durch jenes Zusammenspiel von Reizen, Liebenswürdigkeit, Capricen und Launen, welche die Leidenschaften noch mehr entflammen. Sie meinte aber, es stehe ihr zu, gleich einer Herrscherin mitzureden. Das aber liebte der König nicht. Trotz seiner Artigkeit gegen die Frauen fühlte
 
   

er sich doch als Herrscher. Seiner Würde vergab er nichts. Die Dönhoff spielte die Souveränin. Der König dagegen hasste es, mit Damen über Politik zu diskutieren.“-

 

In Neuchatel blieb die Gräfin Dönhoff nicht. 1794 verkaufte sie die ihr von ihrer Mutter vererbten zu Bennuhnen und Drinbrowten in Ostpreußen gelegenen Güter für 162.000 Taler an ihre Schwester und zog sich nach Angermünde zurück.

 

Als die sehr verwöhnte und anspruchsvolle Hofdame in Angermünde eintraf, war es nicht leicht, Unterkunft für sie zu beschaffen, zumal sie von einer zahlreichen Dienerschaft begleitet war. Aber endlich fand man doch am Markt, im später Kaufmann Sandelschen Hause, ein geräumiges Obdach, das so lange währte, bis das Landhaus auf dem Krötenberg fertigt war. Ende 1795 stand das Haus zum Einzuge bereit. Noch heute macht es einen stattlichen Eindruck, trotzdem das alternde Fachwerk schon reichlich müde zu sein scheint. Leider ist die schöne Freitreppe, die zu dem geräumigen hohen und luftigen zweistöckigen Landhause empor führte, verschwunden. Spurlos verschwunden ist auch der überaus stattliche Park, der nach
 
   
    Abb. 1 Juliane Gräfin Dönhoff zu Beerbaum        (× 1768, † 1834). Nach dem Original-Ölporträt in der Kreissammlung Oberbarnim
 
   zeitgenössischen Berichten von vollkommener Schönheit und Regelmäßigkeit war, und in weitem Bogen den stillen Gräfinnensitz umrahmte. Er stieß direkt an den Mündesee an und im Sommer lag tagaus tagein eine reizend ausgestattete Gondel bereit, die Besitzerin hinaus auf den träumenden See zu tragen. Das Innere des Hauses war gediegen, ja zum Teil prunkvoll um mit auserlesenden Geschmack eingerichtet. Im Vorraum lief eine breite, mit durchbrochener Kunstarbeit gezierte, reich ausgestattete Wendeltreppe hinauf zu den saalartigen Obergemächern. Noch heute zeugt diese Treppe von entschwundener Pracht, wenn es ihr auch in der jetzigen Umgebung wenig wohl sein mag. Auch die roh gezimmerten Abschlagungen in den hohen luftigen Räumen gestatten noch einen Blick nach oben, wo an den Wänden die reichen  
   

Paneelgewandungen stark übertünscht herunterhängen.

 

Auf die Dauer war jedoch auch dieser Aufenthalt für die temperamentvolle Gräfin nicht geeignet. Sie suchte nach einem Wirkungskreis, wo sie entsprechende Bestätigung und Ablenkung fand. Das war der Grund der 1805 geschehenen Erwerbung von Beerbaum.

 

Zum ersten Beamten ihrer Beerbaumer Verwaltung nahm die Gräfin den späteren Amtsmann C. F. Thielicke , der zuletzt Gutspächter in Retzow bei Nauen war. Mit ihm zusammen hat die Gräfin reibungslos und erfolgreich gearbeitet und viel Tüchtiges für Gut,
 
 
Das Dönhoff-Schlößchen in Beerbaum. Erbaur 1817/18
 
   

Landwirtschaft und Forst geleistet. Auch die Regelung der gutsherrlich-bäuerlichen Verhältnisse, in erster Line mit Tempelfelde, hat die Gräfin durchgeführt. Dadurch fiel ihr ein Landzuwachs von über 1780 Morgen zu, was sie veranlasste, an eine Sonderbewirtschaftung zu denken. Es entstand so in den Jahren 1817/21 das Vorwerk Friedrich-Wilhelms-Hof, zu dem sie die Pläne selbst entworfen hatte, wie man ausführlich im Kreiskalender für 1922 (S. 118) nachlesen kann. Den Namen trägt das Vorwerk nach dem Sohne der Gräfin, dem schon erwähnten Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg.

 

Die Gräfin wollte aber auch ein eigenes, bequemes und schönes Heim haben. Deshalb erbaute sie sich in den Jahren 1817/18 das jetzige Schlösschen, ihr „Chateau“, wie sie es mehrmals in Briefen nennt. Eine Anzahl Andenken an die geruhige Dönhoffzeit sind im Gutshause noch vorhanden. Neben Möbeln auch eigenhändige Stickereien der Gräfin. In einem der Zimmer hängt ein eigenartiges Gemälde. Man erblickt die Gräfin in ihrem Schlafgemach, auf dem Ruhebett liegend, den kleinen Grafen Brandenburg im Arm, über dessen Haupt die rechte Hand der Mutter den Dolch gezückt hält. Das Bild soll, wie die Fama erzählt, den Augenblick darstellen, als die Gräfin in plötzlicher Verzweiflung über ihre Lage daran dachte, dem unschuldigen Knäblein ein Leid anzutun. Ob diese Geschichtserzählung auf Tatsachen beruht, war nicht festzustellen.

 

Die Gräfin Boß will bei der Gäfin Dönhoff Launenhaftigkeit festgestellt haben, während sie die Schönheit der Gräfin neidlos erkennt. In gewissem Sinne mag hier für die erstere ein Vorkommnis sprechen, das sich im Jahre 1821 bei der Einweihung der Berlin-Eberswalder Chaussee über Heckelberg-Trampe nach Eberswalder zugetragen hat, wobei bekanntlich Friedrich Wilhelm III, der an dieser Einweihung teilnahm, auch Eberswalde und seine Heilquellen besuchte. Er benutzte die bedeutendste derselben, seitdem heißt sie die Königsquelle. Zu der Straßeneinweihung hatte sich unaufgefordert auch die Gräfin Dönhoff eingefunden. Sie fuhr mit „sechsen lang“ dem königlichen Zug ungehindert voran. Auf das

 
     
     
     
   
   
 
     

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